2026 Begegnung mit Franziskus in Umbrien
Aprilwetter in St.Gallen zur Monatsmitte. In Zürich ist die Gruppe vollzählig. Umsteigen
in den Schnellen nach Mailand. Noch einmal den Zug wechseln nach Bologna. Der
Bahnhof ist eine Baustelle. Es bleibt nicht viel Zeit und die Koffer werden mit
steigendem Alter nicht leichter oder gar beweglicher. Kaum im Zug, fährt er schon. Die
Strecke nach Firenze ist praktisch ein einziger Tunnel. Ein letztes Mal den Zug wechseln
nach Ancona. Gute zwei Stunden Fahrt nach Ancona. Zwei Bus-Taxis nach Gubbio zum
Hotel San Marco, ein ansehnlicher Kasten mit vielen Zimmern und ebenso vielen
Gästen. Die Jungen senken den Altersdurchschnitt beträchtlich. Zum Abendessen zu
Fuss für gute zehn Minuten bei kühlem Wetter. Vier Gänge, täglich um halb acht.
Gewöhnungsbedürftig für Mägen jenseits der Alpen. Aber, sehr köstlich. Man muss
genug Zeit dabeihaben.
Gubbio, primavera, Francesco e la Lupa. Die Dorfbewohner fürchten den Überfall des
hungrigen Raubtiers. Francesco erkennt diese Not, sagt die Legende. Also, mit Füttern
das wilde Tier zähmen, das heisst, das Vertrauen gewinnen. Soll funktioniert haben.
Könnte auch jetzt funktionieren. Wer die Not erkennt, anerkennt und die Not lindert,
schafft eine andere eine Alternative zur Konfliktdynamik. Die Verhärtung schleicht sich.
Ein Gespräch wird möglich. Was verhärtet war, wird weicher. Wie wohltuend, sagen
jene, die das selbst erlebt haben. Francesco, il mediatore!
Assisi bei kühlem Regenwetter und den vielen Treppen und Stufen. Entschädigung
durch die eindrücklichen Bilder und die herrlichen Innenräume. Und nicht zuletzt durch
die wunderbare Trattoria da Erminio. Nicht erschrecken, man spricht dort auch
schweizerdeutsch.

Spoleto
Die wunderbare Stadt in Umbrien. Über der Stadt die grosse Burg. Und unterhalb der
Burg eine graziöse Kirche. Und vor ihr die Weite des Platzes in der Mittagssonne,
umfriedet von Häuserzeilen und hinter diesen enge Gassen und Gässchen. Wer hier
Ruhe und Seelenweite sucht, findet sie garantiert. Vielleicht noch ein paar Schwalben.
Flugkünstler. Man könnte stundenlang sitzen und sinnen. Bella Italia.

Und immer wieder Einkehr halten. Man sitzt alleine in einer Kirche, staunt über die
Architektur, das Lichtspiel oder die Bilder an der Wand. Zeitlose Zeit, einmal mehr. Der
letzte Abend im Hotel. Morgen vor acht Aufbruch zum Bahnhof. Die beiden Taxis
kommen um halb acht zum Bahnhof. Den Lunch nicht vergessen. Das Frühstücksbuffet
öffnet zu spät. Der Kellner in der Bar am Bahnhof freut sich über den Umsatz am frühen
Samstag. Der Zug fährt pünktlich, nach Rom. Von Roma mit der Frecciarossa nach
Milano. Neben dem Zug die Autobahn. Der Individualverkehr scheint still zu stehen,
während der rote Pfeil vorbeidonnert. Mailand. Der biedere Zug nach Zürich fährt auf
einem andern Gleis. Umsteigen. Die Plätze sind reserviert. Der Speisewagen mit genug
Platz rollt nahezu geräuschlos über Como und Chiasso entgegen. Innen die Bilder von
Assisi, La Verna, dem Kreuz von Damiano, dem Kloster mit der lateinischen Messe und
der Nonne mit der wunderbaren Stimme und dem umbrischen Frühling. Danke.

Bild und Text: Markus Grob
